Bachtobel
Details
Fokus: Ein Reiheneinfamilienhaus von 1890 in Zürich wurde bis auf die Tragstruktur zurückgebaut und umfassend erneuert. Der Umbau umfasste eine Gründungsstabilisierung bis in 15 Meter Tiefe sowie eine energetische und räumliche Neuordnung des historischen Bestands.
Nummer: 1121.00
Disziplin: Architektur, Innenarchitektur
Typologie: Wohnen
Leistung: 2 Vorstudie, 3 Projektierung, 4 Ausführung, 5 Realisierung
Jahr: 2024 - 2025
Standort: Bachtobelstrasse 26, 8045 Zürich
Kunde: Privat
Fotograf: Studio Gataric Fotografie
Awards: Gold iF Design Awards 2026,
Das Projekt
Die Bachtobelstrasse 26 ist Teil einer Reihenhauszeile im Zürcher Quartier Wiedikon. Das schmale, um 1890 erbaute Reiheneinfamilienhaus steht unweit des Industrieareals Binz, das sich um die Wende zum 20. Jahrhundert gemeinsam mit Arbeiterhäusern entwickelte. Die umliegenden Häuser aus jener Zeit prägen bis heute mit ihren verputzten Fassaden, Fensterläden und Steildächern den Altbau-Charme des Viertels.
Eine junge Familie initiierte die umfassende Sanierung des in die Jahre gekommenen Hauses. Ziel war, den historischen Charakter zu bewahren und gleichzeitig modernen Wohnkomfort zu schaffen – ein Spannungsfeld, das sämtliche Planungsentscheide prägte.
Zunächst wurde die bauliche Substanz gründlich ertüchtigt. Wegen des setzungsempfindlichen Uetliberglehms unter dem Gebäude musste die Fundation mit 19 Mikropfählen und einer neuen Stahlbetonplatte verstärkt werden. Auch die Holzbalkendecken im Innern wurden erneuert und statisch verstärkt, um heutigen Anforderungen gerecht zu werden. Eine neue, filigrane Stahltreppe verbindet nun alle Geschosse und ersetzt das alte Treppenhaus durch eine leichte, offene Konstruktion.
Die Grundrisse wurden neu organisiert, damit grosszügigere Wohnräume mit direkterer Gartenanbindung entstehen. Im Erdgeschoss öffnen grossflächige Verglasungen den Wohnraum zum Garten und schaffen einen fliessenden Übergang zwischen drinnen und draussen. Zusätzlich wurden neue Nasszellen in die bestehende Bausubstanz eingefügt, um den gestiegenen Ansprüchen an Komfort gerecht zu werden.
Das gestalterische Konzept setzt auf Zurückhaltung und Authentizität. Eine ruhige, helle Farbwelt und natürliche Materialien dominieren die Innenräume und verleihen dem Haus eine freundliche, zeitgemässe Atmosphäre. Zugleich wurden historische Details, wo immer möglich, erhalten oder zeitgemäss neu interpretiert – sei es ein originales Profil an der Fassade oder ein traditioneller Beschlag im Innern.
Äusserlich bleibt das Haus seiner Zeit treu: Die Fassade erhielt einen neuen Wärmedämmverputz mit Anstrich sowie dreifach isolierverglaste Fenster mit integriertem Sonnenschutz. Hinter der Hülle des Altbaus sorgt moderne Haustechnik mit Luft-Wärmepumpe, verbesserter Dämmung und sanierter Dacheindeckung für höhere Energieeffizienz und mehr Wohnkomfort.
Somit erfüllt das sanierte Reiheneinfamilienhaus die Anforderungen zeitgemässen Wohnens für die junge Familie, ohne seinen Charme einzubüssen.
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Was war der Auslöser, euch mit dem Gedanken an einen Umbau auseinanderzusetzen – und welche Vorstellung hattet ihr damals von dem, was euer Haus sein könnte?
Der Auslöser war, dass wir das Haus langfristig als Zuhause für unsere Familie in einer uns vertrauten Nachbarschaft weiterentwickeln wollten. Das Haus war in die Jahre gekommen, und eine Sanierung war notwendig. Unser Ziel war kein radikaler Neubau, sondern ein Haus mit mehr Licht, klareren Räumen und besseren Übergängen zum Garten. Wichtig war uns dabei, den Charakter des Hauses zu erhalten.
Wie habt ihr euer Haus vor dem Umbau wahrgenommen, als Einschränkung oder als Potenzial? Was hat euch an der bestehenden Substanz fasziniert und was hat euch gestört?
Ehrlich gesagt, sowohl als auch. Lage, Garten und Grundstruktur waren sehr attraktiv. Gleichzeitig gab es Einschränkungen bei der Raumaufteilung und beim Licht. Das Haus ist relativ schmal, und durch eine Verschiebung im Baukörper waren die Böden teilweise schräg. Einige Räume wirkten dunkel oder voneinander getrennt. Uns hat interessiert, wie man mit gezielten Eingriffen aus dem bestehenden Haus mehr Qualität und Grosszügigkeit herausholen kann.
Was hat euch bei der Suche nach dem richtigen Architekten bewegt und was gab letztlich den Ausschlag, Raumtakt mit eurem Projekt zu betrauen?
Uns war wichtig, dass der Architekt sensibel mit dem Bestand umgeht und nicht einfach alles neu erfindet. Bei Raumtakt hatten wir früh das Gefühl, dass sie genau dieses Verständnis mitbringen. Sie haben sehr genau zugehört, präzise Fragen gestellt und schnell gezeigt, dass sie das Haus wirklich lesen können. Das hat Vertrauen geschaffen.
Wie habt ihr die ersten Gespräche und die Vorprojektphase erlebt? Gab es einen Moment, in dem sich eure Vorstellung vom Umbau grundlegend verändert hat?
Die ersten Gespräche waren sehr offen. Wir hatten wenig Erfahrung mit solchen Projekten, und unsere Vorstellungen waren nicht immer realistisch. Das Team von Raumtakt hat uns sehr gut beraten und uns geholfen, zu priorisieren. Als wir die ersten Entwürfe gesehen haben, wurde uns klar, welches Potenzial im Haus tatsächlich steckt.
Bei einem Umbau sind viele Entscheidungen zu treffen – von der Raumaufteilung bis zur Materialwahl. Wie habt ihr diesen Prozess erlebt, und wie hat Raumtakt euch dabei unterstützt, die für euch richtigen Entscheidungen zu treffen?
Ein Umbau bringt immer Unsicherheiten mit sich. Auch unsere Erwartungen waren teilweise – nicht zuletzt aus Kostengründen – nicht immer realistisch. Raumtakt hat uns geholfen, Entscheidungen zu strukturieren und Prioritäten zu setzen. Oft ging es darum zu verstehen, welche Entscheidungen langfristig wichtig sind und wo man pragmatisch bleiben kann. Diese klare Begleitung im Prozess hat vieles vereinfacht.
Euer Haus trägt Geschichte in sich. Wie habt ihr den Spagat zwischen dem Respekt vor dem Bestehenden und euren heutigen Wohnbedürfnissen erlebt? Wo wurden bewusst Spuren der Transformation sichtbar belassen?
Uns war wichtig, dass das Haus seine Geschichte behält. Gleichzeitig sollte es für ein heutiges Familienleben funktionieren. Der Umbau versucht, beides zu verbinden. Bestehende Elemente wurden respektiert und teilweise bewusst sichtbar gelassen, während neue Eingriffe klar und zeitgemäss umgesetzt wurden.
Ein Umbau birgt immer Überraschungen, verborgene Leitungen, unerwartete Substanz, neue Möglichkeiten. Welche unvorhergesehenen Situationen sind bei eurem Projekt aufgetreten, und wie wurde damit umgegangen?
Wie bei vielen Umbauten gab es auch bei uns Überraschungen in der bestehenden Substanz. Wichtig war aber, dass Lösungen ruhig und pragmatisch gesucht wurden. Wir hatten nie das Gefühl, dass Probleme dramatisiert werden. Sie wurden einfach als Teil des Prozesses gelöst.
Ein gelungener Umbau lebt von der Qualität der handwerklichen Umsetzung. Wie habt ihr die Zusammenarbeit zwischen Raumtakt und den Handwerkern auf der Baustelle erlebt? Gab es Momente, in denen euch die Sorgfalt besonders aufgefallen ist?
Die Zusammenarbeit auf der Baustelle war sehr konstruktiv. Man hat gemerkt, dass Raumtakt einen guten Draht zu den Handwerkern hat und dass auf Details geachtet wird. Besonders bei Materialien und Übergängen zwischen Bauteilen wurde sehr sorgfältig gearbeitet.
Umbauverfahren sind heute aufwändiger als noch vor einer Generation , mehr Normen, mehr Beteiligte, mehr Abstimmung. Wie habt ihr die Kommunikation mit Raumtakt erlebt, insbesondere wenn es um Kosten, Termine oder notwendige Anpassungen ging?
Für uns war wichtig, dass wir jederzeit wussten, wo das Projekt steht. Raumtakt hat sehr transparent kommuniziert, sowohl bei Kosten als auch bei Terminen oder notwendigen Anpassungen. Gerade bei einem Umbau schafft diese Offenheit viel Vertrauen.
Architektur wirkt durch Atmosphäre , durch Licht, Materialien, Proportionen. Wenn ihr heute durch euer umgebautes Haus geht: Welcher Raum, welches Detail berührt euch am meisten, und warum?
Wir haben keinen einzelnen Lieblingsraum. In jedem Zimmer gibt es etwas Besonderes, das uns fasziniert. Wir schätzen vor allem die Ruhe und Klarheit der Räume. Das Licht spielt dabei eine grosse Rolle. Besonders schön ist für uns, wie die Räume miteinander verbunden sind und wie der Garten stärker Teil des Hauses geworden ist.
Wie hat der Umbau euren Alltag verändert? Gibt es Rituale, Gewohnheiten oder Abläufe, die erst durch die neuen Räume möglich geworden sind?
Der Alltag hat sich tatsächlich verändert. Die Räume funktionieren heute viel natürlicher für unser Familienleben. Es gibt mehr Orte, an denen man gemeinsam Zeit verbringen kann, aber auch Rückzugsorte, die sich durch die verschiedenen Etagen ganz selbstverständlich ergeben. Das Haus fühlt sich offener und gleichzeitig ruhiger an.
Weiterbauen statt abbrechen wird heute als zukunftsweisende Haltung verstanden – ökologisch wie kulturell. Welche Rolle spielten energetische und nachhaltige Aspekte bei eurem Umbau, und wie beurteilt ihr die Zukunftsfähigkeit eurer Lösung?
Für uns war es ein bewusster Entscheid, weiterzubauen statt abzubrechen. Die bestehende Substanz wurde genutzt und gleichzeitig energetisch verbessert. Dadurch bleibt das Haus langfristig nutzbar und flexibel für zukünftige Lebensphasen.
Wenn ihr die ursprüngliche Vorstellung, die ihr vor dem Umbau hattet, mit dem Ergebnis vergleicht: Was hat eure Erwartungen übertroffen und gibt es etwas, das ihr im Rückblick anders angehen würdet?Das Ergebnis hat unsere Erwartungen übertroffen, vor allem in der räumlichen Qualität. Dinge, die auf dem Plan eher unscheinbar wirken, entfalten im Alltag eine grosse Wirkung. Rückblickend würden wir gewisse Entscheidungen vielleicht etwas anders oder früher treffen, aber grundsätzlich würden wir den Weg wieder so gehen.
Würdet ihr Raumtakt weiterempfehlen, und wenn ja: Was würdet ihr jemandem sagen, der sich noch unsicher ist, ob ein Umbau das Richtige für ihn ist?
Ja, wir würden Raumtakt klar weiterempfehlen. Ein Umbau lebt stark vom Vertrauen zwischen Bauherr und Architekt. Wenn man jemanden hat, der konzeptionell denkt und gleichzeitig pragmatisch Lösungen findet – und auch die Geduld hat, Wünsche zu vertiefen, zu prüfen und teilweise wieder zu verwerfen – wird der ganze Prozess deutlich einfacher.
Wenn ihr eure Erfahrung in drei Erkenntnisse verdichten müsstet, die ihr anderen Hauseigentümern vor einem Umbau mitgeben würdet , welche wären das?Der Bestand hat oft mehr Potenzial, als man am Anfang denkt.
Gute Architektur entsteht im Dialog und braucht Zeit.
Ein sorgfältiger Umbau kann ein Haus stärker verbessern als ein kompletter Neubau.